BILDUNG FÜR ZUKUNFTSFÄHIGES
HANDELN

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Nachhaltigkeit ist seit jeher auch für die Ausbildung im Handwerk wichtig. In kaum einem anderen Bildungsbereich hat der Erwerb von Kompetenzen für nachhaltiges Handeln eine so große Auswirkung auf die Zukunftsfähigkeit wirtschaftlicher, technischer, sozialer und ökologischer Entwicklungen.

Handwerker stellen ressourcenschonend Produkte her und reparieren Waren; sie schaffen vor Ort, unabhängig von konjunkturellen Schwankungen, Beschäftigungs- und Zukunftsperspektiven; das Handwerk stellt einen hohen Anteil an Ausbildungsplätzen bereit und spielt damit eine wichtige Rolle bei der Besetzung von Arbeitsplätzen für Fachkräfte.
Immer mehr junge Menschen wünschen sich einen sinnstiftenden Beruf, mit dem sie einen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit leisten können, doch oftmals werden ihnen in der Schule viel zu wenig Perspektiven in der Berufsausbildung aufgezeigt. Haben sie den Abschluss in der Tasche, kennen sie die Optionen nicht, wenn sie für den Umwelt- und Klimaschutz arbeiten möchten. Genau hier bietet die handwerkliche Lehre eine Vielzahl von spannenden und gut bezahlten Berufsperspektiven.

Gemeint ist eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. Seit 2021 gelten für alle neu beschlossenen Ausbildungsberufe einheitliche Standards der berufsübergreifenden Kernkompetenzen. Umweltschutz wurde um die ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit ergänzt. Ausbildungsbetriebe können ihre Attraktivität steigern, indem sie diese Lerninhalte integrieren. Wenn junge Fachkräfte von Beginn an Nachhaltigkeit und Umweltschutz in ihrem täglichen Tun berücksichtigen, zahlt sich das auch für das Unternehmen aus. Nachhaltigkeit gelingt vor allem dann, wenn sie von allen Beschäftigten aktiv mitgetragen und gelebt wird.

Knut Heine
Stellvertretender Hauptgeschäftsführer Geschäftsbereich Bildung und Recht
 

Traumberuf Klimaretter: Junges Handwerk setzt Energiewende um

Portrait Robin Große Fa. Wubbelt

Robin Große, angehender Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, erlernt den Einbau erneuerbarer Energiesysteme.

Zukunft braucht Nachhaltigkeit. Wer sich nicht nur privat, sondern auch beruflich für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen möchte, dem bietet das Handwerk eine Vielzahl abwechslungsreicher Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Zahlreiche Gewerke des Handwerks sind längst im Dienst der Umwelt tätig. So sind Reparieren, Instandhalten und Warten sowie Regionalität seit je her Domänen des Handwerks. Aber „die Wirtschaftsmacht von nebenan“ kann noch mehr.

Das Bau- und Ausbaugewerbe ist für Energieeinsparung und Ressourcenschonung rund um Immobilien entscheidend. Das weiß auch Robin Große. Im zweiten Ausbildungsjahr als Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik hat er schon auf einigen Baustellen gearbeitet: „Jeder Tag im Handwerk ist aufs Neue herausfordernd und spannend. Wir bauen moderne Anlagen ein und nutzen dabei erneuerbare Energiesysteme. Das macht unseren Beruf zukunftsweisend und so wichtig für folgende Generationen.“

Der 18-Jährige absolviert seine duale Ausbildung im Handwerksbetrieb Wübbelt in Bottrop und besucht auch dort die Berufsschule. Nach der Realschule und dem Fachabitur lernte er seinen Ausbildungsbetrieb über Praktika und einen Ferienjob kennen und bewarb sich auf eine freie Lehrstelle. Nach der dreieinhalbjährigen Ausbildung kann sich Große eine Weiterbildung zum Meister vorstellen.
 
Ebenso zukunftsweisend geht es im Elektrohandwerk zu. In der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik kümmern sich Elektroniker:innen um die elektrische Energieversorgung. Sie errichten Fotovoltaikanlagen, Schalt-, Verteilanlagen und Netze, aber auch elektrische Wärmepumpen und Beleuchtungsanlagen gehören dazu. Mit intelligenten Smart-Home-Lösungen für energieeffiziente Gebäude und Städte treiben Elektroniker die Energiewende direkt voran. Diese Fachkräfte sind zunehmend auch gefragt, um die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge auszubauen. Hier kommen auch Kfz-Mechatroniker ins Spiel. Sie sind Experten für alternative Antriebssysteme und reparieren E-Fahrzeuge.

Zweiradmechnikermeister Stefan Lange treibt die zukunftsweisende Mobilität an.

Wer eher auf Fahrräder als besonders umweltfreundliche Verkehrsmittel setzt, kann das Zweiradmechatroniker-Handwerk in einer Ausbildung erlernen – so wie Stefan Lange aus Telgte, der nach der Lehre den Meistertitel draufsattelte und sich mit 22 Jahren selbstständig gemacht hat.

Sein Unternehmen heißt „Leezen Lange“. Er entschied sich bewusst für diesen Ausbildungsberuf: „In der heutigen Zeit ist nachhaltiges Handeln extrem wichtig, denn es geht um viel – um die Zukunft unserer Erde, um genauer zu sein. Um sie zu erhalten, möchte ich mich mit meiner Kraft und mit meinem Beruf einsetzen."

Mehr Fahrräder und weniger Autos: "Ich arbeite mit daran, die innerstädtische Mobilität zu fördern und Menschen für das Fahrradfahren zu begeistern. Ich sehe dies als eine wichtige Aufgabe in meinem Leben, für eine ‚grünere Welt‘ zu werben und das nachhaltige Denken in unserer Gesellschaft zu fördern“ , so Lange.

 

Die duale Ausbildung in 130 Handwerksberufen – viele davon mit Umweltausrichtung – ist mit jedem Schulabschluss möglich.
 

„Wertschätzung“ ist das Zauberwort im Unternehmen

Präsident Hans Hund begrüßte Impulsredner Prof. Dr. Olaf Arlinghaus (v.r.) bei der Auftaktveranstaltung der Online-Fachkräftetage

Präsident Hans Hund begrüßte Impulsredner Prof. Dr. Olaf Arlinghaus (v.r.) bei der Auftaktveranstaltung der Online-Fachkräftetage.

So schwierig die Coronazeit sei, die Situation habe auch Vorteile, ermunterte Prof. Dr. Olaf Arlinghaus die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Online-Auftaktveranstaltung der Fachkräftetage 2021 der Handwerkskammer (HWK) Münster, ihre Chancen zu nutzen. Zu diesen Vorteilen gehöre, so der Betriebswirtschaftslehreprofessor an der FH Münster, dass das Handwerk mehr wahrgenommen werde. Der Veränderungsdruck steige. Betrieben, die Nachwuchs suchen, empfahl Prof. Dr. Arlinghaus, von guten Unternehmen, die ihre Ausbildungsplätze regelmäßig schnell besetzen, zu lernen.

Wenn der Fachkräftemangel das größte Problem in einem Unternehmen sei, gelte es, die Aufmerksamkeit darauf zu konzentrieren, betonte der Wissenschaftler. Er regte an, jungen Leuten, die beispielsweise ein Betriebspraktikum machen oder sich auf Lehrstellen bewerben, wirklich zuzuhören. „Wertschätzung“ sei das Zauberwort in Zeiten von immer weniger Schulabgängern. Dazu gehöre, Andersartigkeit zu akzeptieren und individuelle Menschen individuell wahrzunehmen. Sein Fazit: „Wir haben kein Fachkräfteproblem. Wir haben ein elementares Führungsproblem.“

HWK-Präsident Hans Hund betonte im Auftaktgespräch der Fachkräftetage: „Wir müssen am Image des Handwerks arbeiten, um für junge Menschen attraktiver zu sein.“ Klar sei, dass alle Azubis, die heute nicht ausgebildet würden, in drei Jahren als Fachkräfte fehlten. „Ich hoffe, dass die Ausbildungsbetriebe auch unter schwierigen Bedingungen an der Ausbildung festhalten“, so Hund.

An den Fachkräftetagen, die sich über vier Tage erstreckten, nahmen rund 250 Teilnehmer:innen an 20 Terminen teil. Verschiedene Aspekte des Gewinnens, Förderns und Bindens von Personal wurden beleuchtet. Erfolgreiche Beispielunternehmen aus dem Kammerbezirk Münster gaben den Teilnehmenden Tipps aus ihrer Praxiserfahrung.
 

Praktikum: Lust auf Handwerk machen

Tischlerei Seibel

Geschäftsführer Jens Weyer (r.) mit den Auszubildenden Nils Holtkamp und Henri Gercer (v.l.) von der Tischlerei Seibel.

Jugendlichen auch in Corona-Zeiten eine berufliche Orientierung nach der Schule geben und Lust aufs Handwerk machen, darauf zielt die Initiative Praktikum 2021 des NRW Handwerks ab. Auch zahlreiche Betriebe im Kammerbezirk Münster laden Schulabgängerinnen und -abgänger jetzt verstärkt zu Praktika ein, in denen Berufe ausprobiert, Betriebe mit ihren Lehrstellen kennengelernt und die Zukunftschancen im Handwerk entdeckt werden können.

Die Bottroper Tischlerei Seibel und Weyer etwa nimmt ständig Praktikanten auf und rekrutiert so direkt Berufsnachwuchs. „Das ist ideal. So können sich beide Seiten vor dem Lehrvertrag kennenlernen“, ist die Erfahrung von Geschäftsführer Jens Weyer (r.). Auf diesem Weg konnten auch Nils Holtkamp und Henri Gercer (v.l.) als zwei von derzeit 38 Auszubildenden gewonnen werden.

Die HWK berät Jugendliche und macht auf ihr Online-Praktikumsportal mit Stellen bei Handwerksbetrieben aufmerksam. Unternehmen können ihre Angebote direkt dort eingeben und sich finden lassen.
 

Praktika haben hohen Stellenwert

Stefan Jung (l.) von er Firma Klimaanlagen mit Athoka Ilkhom Khayrulloev (r.).

Stefan Jung (l.) von der Firma Klimaanlagen mit Athoka Ilkhom Khayrulloev (r.).

„Man kennt uns“, das ist für Stefan Jung (l.) der Erfolgsfaktor für die gefragten Praktikumsstellen bei dem handwerklichen Spezialisten für private Klimaanlagen Athoka mit Standorten in Herten, Dortmund und Münster.

Jung ist als Vertriebsleiter auch für die Personalgewinnung zuständig. Ein positives Image, Spezialistentum, Nachhaltigkeit und Endkundenpflege ziehen aus seiner Sicht Bewerber:innen für Praktika mit Übernahmeoption an. „Potenzielle Praktikanten für unsere freien Stellen finden uns primär über unsere Homepage“, ist Jungs Erfahrung. Athoka setzt überwiegend auf Schülerinnen und Schüler, um den Bedarf an Auszubildenden zu decken – und findet diesen auch zu Coronazeiten.

„Bei stetig steigendem Angebot sind wir zunehmend offen für andere Gruppen.“ Auch Menschen mit Migrationshintergrund, die bereits in der Klima- oder Heizungstechnik tätig waren, sind willkommen. Einer von ihnen ist Ilkhom Khayrulloev (r.).
 

Beirat: junge Perspektive in Kampagne einbringen

Theresa Kalter, Auszubildende Zahntechnikerin im zweiten Lehrjahr im Dental-Labor Volkmer aus Rheine

. Theresa Kalter, Auszubildende Zahntechnikerin im zweiten Lehrjahr im Dental-Labor Volkmer aus Rheine.

Zum Austausch über die Imagekampagne des Handwerks trafen sich im Dezember 2021 in Berlin Auszubildende aus ganz Deutschland. Sie bildeten den Jugendbeirat des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.

Theresa Kalter, Auszubildende Zahntechnikerin im zweiten Lehrjahr im Dental-Labor Volkmer aus Rheine, vertrat das Handwerk im Kammerbezirk Münster. Die 20-Jährige schätzt den Mitwirkungsprozess aus junger Perspektive: „Besonders wichtig ist uns der Blick nach vorn. Durch die Kampagne sollen junge Menschen Lust auf eine Branche bekommen, die starke Zukunftsaussichten hat und auch Themen wie Klimaschutz vorantreibt.

„Mit unserer Berufserfahrung aus dem Handwerk können wir der Politik wertvolle Anregungen geben, die diese am Ende umsetzt. Ich bin Handwerkerin, weil mich die Herausforderung begeistert. Handwerk steckt in jedem von uns. Bei der Vielzahl an Ausbildungsmöglichkeiten ist für alle etwas dabei.“ Der Jugendbeirat setzt sich mit der Gestaltung und den Inhalten der bundesweiten Imagekampagne des Handwerks auseinander. Die Perspektive der jungen Mitglieder wird genutzt, um die Kampagne zielgruppengerecht zu gestalten.
 

Ausbildungsbotschafter:innen besuchen Schulen

Vivien Müller (r.) und Merle Röers (l.) sind wegen ihrer Leidenschaft für das Friseurhandwerk Ausbildungsbotschafterinnen der Handwerkskammer (HWK) Münster geworden. Sie bringen Schülerinnen und Schülern die Erfahrungen aus ihrem abwechslungsreichen Allta
115 Ausbildungsbotschafterinnen und -botschafter der HWK Münster waren 2021 im Einsatz an 48 Schulen im gesamten Kammerbezirk. Ihr Ziel: Jugendlichen Lust auf eine Lehre im Handwerk machen. Sie berichteten Schülerinnen und Schülern des neunten Jahrgangs über ihre eigene betriebliche Ausbildung und die Karrieremöglichkeiten im Handwerk.

Nach zahlreichen digitalen Veranstaltungen in den ersten Monaten des Jahres war der persönliche Austausch ab Juni wieder vor Ort möglich. In insgesamt 81 Einsätzen bekamen 2.305 Schülerinnen und Schüler praktische Tipps für ihre Berufswahl. Als „diplomatisches Korps der betrieblichen Ausbildung“ sollen die Botschafter:innen auch falsche Vorstellungen von der Berufsausbildung im Handwerk korrigieren. Denn sie sind wenig älter als die Jugendlichen, mit denen sie sich „auf Augenhöhe“ austauschen.

Für die Unternehmen und Betriebe, die ihre besten Auszubildenden bei der HWK als Ausbildungsbotschafter melden, lohnt sich das Engagement gleich mehrfach. Denn die Botschafter präsentieren nicht nur ihren Beruf, sondern indirekt auch immer ihren Arbeitgeber. Dadurch kann das Unternehmen seine Bekanntheit als guter Ausbildungsbetrieb und erste Adresse für Bewerbungen steigern. Auch von der Schulung der Ausbildungsbotschafter und ihrer Einsätze profitierten die Unternehmen: Das wirkt wie ein Training für die persönliche Weiterentwicklung der handwerklichen Nachwuchskräfte.
 

Leistungswettbewerb: die Besten ausgezeichnet

Den beiden 1. Bundessiegern aus der Region, Levin Schnell (l.) und Jonas Kauling (r.), gratulierte Handwerkskammer-Vizepräsident Jürgen Kroos (M.) auf der Abschlussveranstaltung des Leistungswettbewerbs in Berlin. Schnell wurde zudem 1. Preisträger im Wet

Den beiden 1. Bundessiegern aus der Region, Levin Schnell (l.) und Jonas Kauling (r.), gratulierte Handwerkskammer-Vizepräsident Jürgen Kroos (M.) auf der Abschlussveranstaltung des Leistungswettbewerbs in Berlin. Schnell wurde zudem 1. Preisträger im Wettbewerb „Die gute Form“.

„Reife braucht Zeit. Und eine gute Ausbildung“, lautet ein Spruch der Imagekampagne des Handwerks. Das trifft auf alle Auszubildenden des Kammerbezirks zu. Mit ihrem Können hervorgehoben haben sich 46 Siegerinnen und Sieger im Leistungswettbewerb 2021 des Deutschen Handwerks im Kammerbezirk Münster. Sie wurden von der HWK auf Basis der Niederschrift des Praxisteils ihrer Gesellenprüfung ermittelt.

Wegen der Corona-Pandemie entfielen in dem Berufswettkampf die Arbeitsproben und Bewertungen der Gesellenstücke ebenso wie die traditionelle Abschlussveranstaltung mit Ehrung. Die Siegerinnen und Sieger waren die Besten von rund 3.000 Nachwuchskräften im Kammerbezirk Münster, deren Gesellen- und Abschlussprüfungen der Ausbildung zwischen November und August bei der HWK gemeldet wurden.

„Die ausgezeichneten jungen Gesellinnen und Gesellen haben durch exzellente Prüfungsergebnisse ihre Leidenschaft für ihr Handwerk und ihr Können bewiesen“, betonte HWK-Präsident Hans Hund. Sie stünden für ein vielfältiges und zukunftsgewandtes Handwerk, das den Nachwuchskräften gute berufliche Perspektiven und Weiterbildungsmöglichkeiten zur persönlichen Entfaltung biete, so Hund. Sein Dank gelte Eltern, Ausbildern in den Betrieben, Berufsschullehrerinnen und -lehrern und Mitgliedern von Prüfungs- und Bewertungsausschüssen, die alle zum guten Gelingen der Gesellenprüfungen beigetragen hätten. Elf Gesellinnen und Gesellen siegten auch auf der NRW-Landesebene des Wettbewerbs. Zwei Handwerker wurden „1. Bundessieger“.
 

Integrationspreis Handwerk NRW im Kammerbezirk

Zahntechnikermeister Mohamed Reda Hajjam und die Auszubildende Niyousha Sheikhmozafari von der Firma Prodens Dentaltechnik

Zahntechnikermeister Mohamed Reda Hajjam und die Auszubildende Niyousha Sheikhmozafari von der Firma Prodens Dentaltechnik.

Mit dem Integrationspreis Handwerk NRW im Kammerbezirk Münster wurde der Betrieb Prodens Dentaltechnik in Recklinghausen ausgezeichnet. Inhaber ist Zahntechnikermeister Mohamed Reda Hajjam (42.).

Seit September 2020 bildet der Unternehmer die Iranerin Niyousha Sheikhmozafari (22.) aus. Sie lebt seit 2018 in Deutschland und wohnt bei ihrer Schwester, einer Zahnärztin, im Niederbergischen Land, von wo sie wegen einer Wohnsitzauflage täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Recklinghausen pendelt.

Eine Strecke dauert 2:15 Stunden. Hajjam hätte ihr gern eine Wohnung in Recklinghausen vermittelt, was die Ausländerbehörde aber ablehnte. Sheikhmozafari entdeckte durch die Schwester ihr Interesse an der Zahntechnik und einer Ausbildung in diesem Beruf. Über private Netzwerke fand sie ihre Lehrstelle.
 

Weiterbildung am HBZ online

Marie Osthues vom Familienbetriebs J.C. Osthues in Münster

Marie Osthues, Politikwissenschaftlerin und Sachverständige für Schmuck und Edelsteine, will sich bestmöglich auf die Übernahme des elterlichen Familienbetriebs, des Juweliers J.C. Osthues in Münster, vorbereiten.

„Ich bin glücklich, dass die Fortbildung weitergeht“, betont Marie Osthues. Die Politikwissenschaftlerin und Sachverständige für Schmuck und Edelsteine will sich bestmöglich auf die Übernahme des elterlichen Familienbetriebs, des Juweliers J.C. Osthues in Münster, vorbereiten.

Sie hat sich deshalb vor Beginn der Coronapandemie für die Weiterbildung Geprüfter Betriebswirt HwO beim Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ) Münster entschieden. Das war 2019. Mit Beginn der Corona-Pandemie stellte das HBZ seine kaufmännischen Lehrgänge komplett auf Online-Unterricht um.

„Wir haben einen straffen Zeitplan für den Übergabeprozess im Betrieb aufgestellt. Da bin ich dankbar, auch jetzt voranzukommen, selbst wenn der Präsenzunterricht mehr Spaß macht. Online-Lernen ist herausfordernder. Alle müssen mehr Konzentration und Disziplin einbringen. Man hat weniger Kontakt zu anderen. Aber es klappt und man kann Zuhause oder im Betrieb lernen“, findet Osthues.
 

HBZ: Training für handlungsorientierten Unterricht

Hendrik Harenbrock (r.), Dozent der Meisterschule für das Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk, mit Meisterschüler Dominik Kendl (l.)

Hendrik Harenbrock (r.), Dozent der Meisterschule für das Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk, mit Meisterschüler Dominik Kendl (l.)

Das Bildungszentrum HBZ Münster setzt auch selbst auf Weiterbildung, um die Wissensvermittlung an Handwerkerinnen und Handwerker ständig weiterzuentwickeln. Im Fokus steht dabei der handlungsorientierte Unterricht.

Die ersten 14 Dozentinnen und Dozenten haben dafür 2021 eine Fortbildung zum Geprüften Fortbildungstrainer HWK erfolgreich absolviert. Handlungsorientierung bedeutet: In einer konkreten Situation lernen die Lehrgangsteilnehmerinnen und -teilnehmer, allgemeine Gesetzmäßigkeiten oder Prinzipien durch eine praktische Übung abzuleiten.

„Wir Lehrkräfte wechseln vom Frontalunterricht in die Rolle der Lernbegleitung“, erklärt Hendrik Harenbrock (r.), der diesen Ansatz in der Meisterschule für das Kraftfahrzeugtechnikerhandwerk bereits anwendet. Dominik Kendl (l.) ist einer der ersten Meisterschüler, die sich nach diesem kommunikativen, reflektierenden Lernansatz auf die Prüfung vorbereiten.
 

Handwerksmanagement: FHM und HWK kooperieren für Duales Studium

FHM-Rektorin Prof. Dr. Anne Dreier (l.) und HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz (r.)

FHM-Rektorin Prof. Dr. Anne Dreier und HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz legten im HBZ mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags den Grundstein für das neue triale Studium „Handwerksmanagement“ in Münster.

Die Gewinnung von Berufsnachwuchs, Führungskräften und Unternehmensnachfolgerinnen und -nachfolgern bleibt in den nächsten Jahren die zentrale Herausforderung des Handwerks. Die Handwerkskammer (HWK) Münster und die Fachhochschule des Mittelstandes (FHM) eröffneten deshalb Ende 2021 eine neue Bildungsperspektive: Sie bieten gemeinsam ab Oktober 2022 in Münster erstmals den Trialen Bachelorstudiengang „Handwerksmanagement“ an. Ambitionierte Fachabiturienten und Abiturienten, die im Jahr 2022 eine Ausbildung im Handwerk beginnen, können in diesem Studienprogramm parallel und verzahnt ein Bachelor-Studium mit kaufmännischer Fortbildung absolvieren und erlangen so in nur viereinhalb Jahren drei Abschlüsse: den Gesellenbrief, den Geprüften Betriebswirt (HwO) und den Bachelor of Arts.

 „Für Betriebe bietet die Kombination aus praxisorientierter Ausbildung im Handwerk mit betriebswirtschaftlichem Studium die Möglichkeit, leistungsstarke Auszubildende zu gewinnen, den Nachwuchs zu fördern und in kürzester Zeit zu Fach- und Führungskräften zu qualifizieren“, betonte HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz bei der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags zwischen den Bildungsanbietern. Immer mehr Handwerksunternehmerinnen und -unternehmer suchten qualifizierte Führungskräfte, die ihnen Managementaufgaben im Betrieb abnähmen beziehungsweise für die Nachfolge qualifiziert seien, so Banasiewicz.

Hier setzt das Triale Studium B.A. Handwerksmanagement an. Der abgestimmte Lehrplan garantiert eine optimale Verknüpfung von theoretischer und praktischer Qualifizierung auf gewerkespezifischer und betriebswirtschaftlicher Ebene. Katharina Semmler, Geschäftsführerin des Handwerkskammer Bildungszentrums (HBZ) Münster: „Der Studiengang ist exakt auf das Handwerk zugeschnitten. Die Lehrinhalte entsprechen zum einen den Bedürfnissen von modernen Betrieben. Den jungen Menschen bleibt dabei zum anderen genug Zeit, die Qualifizierungsbausteine zu durchlaufen und auch genügend Praxis in den Betrieben zu bekommen.“

Die Fachhochschule des Mittelstands ist seit ihrer Gründung im Jahre 2000 stark mit dem Handwerk verbunden. „Daraus haben wir das ‚Triale Studium‘ entwickelt, das in einzigartiger Weise die Berufsausbildung mit dem Geprüften Betriebswirt und einem wissenschaftlichen Studium verbindet“, so Prof. Dr. Anne Dreier, Rektorin der Fachhochschule des Mittelstands aus Bielefeld. „Wir freuen uns ganz besonders, dass wir in der Kooperation mit der Handwerkskammer das Triale Studium Handwerksmanagement nun auch in Münster anbieten können.“

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer absolvieren in der Zeit bis zur Gesellenprüfung parallel zur Ausbildung am Freitagnachmittag und am Samstag verschiedene Module des Studiums Handwerksmanagement. Dazu gehören unter anderem Theorien und Techniken der Unternehmensführung, das Management von Handwerksbetrieben sowie natürlich Grundlagen der Betriebswirtschaft. Parallel bereiten sich die Studierenden auf die Ausbildereignungsprüfung vor. Nach der Gesellenprüfung wird das Studium in Teilzeit fortgeführt. Es werden allgemeine und strategische Wirtschaftskompetenzen vermittelt und mit der beruflichen Praxis verknüpft.

Das Studium schließt mit der Bachelorarbeit ab. Handwerksmanagerinnen und -manager können nach dem Studium zusätzlich den Meistertitel erwerben und müssen dazu nur noch den praktischen und den theoretischen Teil der Meisterprüfung im jeweiligen Gewerk bestehen. Der kaufmännische Teil und die Ausbildereignung sind bereits durch das Studium abgedeckt.
 

HBZ Münster - das Bildungszentrum der HWK Münster

Außenansicht HBZ Gebäude
Fachkräfte zeichnen sich durch praxisnahes Wissen und Können aus. Das Bildungszentrum (HBZ) der Handwerkskammer Münster bietet bedarfsgerechte und unternehmensnahe Bildungsangebote an. Es ist ein Zentrum der Bildungsdienstleistungen für Lehrlinge, Gesellen und Meister, aber auch für Interessenten aus anderen Wirtschaftsbereichen – damit sie fit für den Beruf sind.

Das HBZ Münster ist nach den Normen der DIN EN ISO 9001:2015 zertifiziert, um seine Bildungsdienst­leistungen kontinuierlich auf hohem Niveau zu sichern und weiter­zuentwickeln. Es hat darüber hinaus auch ein Zertifikat nach der Akkreditierungs- und Zulassungs­verordnung Arbeits­förderung (AZWV).

Ausbildung: Die Ausbildung der Lehrlinge in Betrieb und Schule wird ergänzt durch die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) in den Lehrwerkstätten des HBZ. 2021 wurden 543 ÜLU-Lehrgänge und 96 Maßnahmen durchgeführt. Zur Berufsvorbereitung gab es 5 Anpassungsmaßnahmen, Fortbildungen und Vollausbildungen als Sondermaßnahmen für Erwachsene. Hinzu kamen 4 Prüfungsvorbereitungs- und 2 Unterstützungslehrgänge während der Lehre für Jugendliche.

Meisterschulen: Vorbereitungslehrgänge auf die Meisterprüfung wurden 2021 in 25 Berufen angeboten – berufsbegleitend und als Tagesschule.
Die Meisterschulen des HBZ führten 69 Lehrgänge durch.

Weiterbildung: Das Fort- und Weiterbildungsangebot des HBZ umfasst betriebswirtschaftliche, technische, gestalterische, gewerblich-technische, informationstechnische und kaufmännische Seminare und Lehrgänge.
2021 fanden beim HBZ 294 Weiterbildungen statt.

Studium: Die Handwerkskammer führt in Kooperation mit dem Fachbereich Bauingenieurwesen der FH Münster den Studiengang ‚Bauen im Bestand – Bachelor of Engineering‘ durch (65 Studierende in 2021). Der Bachelor-­Studiengang ‚Fashion Management‘ wird in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld angeboten (60 Studierende in 2021).

Firmenschulungen: 27 Schulungen exklusiv für einzelne Unternehmen.
 

9.441 Teilnehmer:innen erweiterten ihr Wissen und Können

9.441 Teilnehmer:innen erweiterten ihr Wissen und Können

Lehrgangsteilnehmer:innen am HBZ Münster 2021

Grafik HBZ-Teilnehmer 2021

Bestandene Abschlussprüfungen vor der HWK Münster 2021

Fortbildungs- und Meisterprüfungen